Gut essen trotz Vergessen: Wie kleine Veränderungen den Pflegealltag erleichtern
Beim gemeinsamen Erfahrungsaustausch hatten die pflegenden Angehörigen Gelegenheit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen zu teilen und Anregungen für den Pflegealltag mitzunehmen.
Im Mittelpunkt stand der Vortrag der Diplom-Oecotrophologin Ingrid Steininger. Sie erläuterte anschaulich, wie sich Demenz und altersbedingte körperliche Veränderungen auf das Ess- und Trinkverhalten auswirken können. Ein nachlassender Geruchs- und Geschmackssinn, ein vermindertes Durstgefühl oder Schwierigkeiten, Speisen und Getränke zu erkennen, können dazu führen, dass Betroffene weniger essen und trinken. Damit steigt das Risiko für Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel.
Besonders interessant waren die Hinweise, wie sich die veränderte Sinneswahrnehmung im Alltag berücksichtigen lässt. Der süße Geschmack bleibt häufig länger erhalten als andere Geschmackseindrücke. Süße Speisen und Getränke können deshalb eine Möglichkeit sein, den Appetit anzuregen. Auch Farben spielen eine wichtige Rolle: Da Rot von vielen Menschen mit Demenz gut wahrgenommen wird, kann beispielsweise Wasser mit einem Schuss rotem Saft dazu beitragen, Getränke sichtbarer und ansprechender zu machen. Kontraste zwischen Geschirr, Tischdecke und Speisen helfen zudem, das Essen besser zu erkennen. Lässt der Geruchssinn nach, können eine ansprechende Präsentation und unterschiedliche Geschmacksrichtungen zusätzliche Anreize schaffen.
Neben diesen Sinneseindrücken ging es um die Vorbeugung von Mangelernährung und Flüssigkeitsdefiziten, geeignete Speisen- und Getränkeangebote sowie den Umgang mit verändertem Essverhalten und nachlassenden Tischmanieren. Ingrid Steininger stellte außerdem praktische Hilfsmittel vor, die Menschen mit Demenz das Essen und Trinken erleichtern und pflegende Angehörige im Alltag unterstützen können.
Im Anschluss stellte Magdalena Leidl von der Fachstelle für pflegende Angehörige des Caritasverbands Kelheim e. V. deren Unterstützungsangebote vor. Beim anschließenden Erfahrungsaustausch konnten die Teilnehmenden eigene Fragen einbringen, Erfahrungen teilen und miteinander ins Gespräch kommen.
Ein besonderes Highlight war der Sinnesparcours, der den Teilnehmenden die Möglichkeit bot, die Herausforderungen beim Essen aus einer anderen Perspektive zu erleben. Unter anderem konnten sie ausprobieren, wie sich eine Mahlzeit mit eingeschränktem Sehvermögen gestaltet und wie stark Kontraste die Orientierung auf dem Teller beeinflussen. Die praktischen Erfahrungen stießen auf großes Interesse und machten deutlich, wie wichtig es ist, die Umgebung und das Speisenangebot an die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.
Der Infonachmittag zeigte, dass bereits kleine Veränderungen bei der Gestaltung von Mahlzeiten den Alltag von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen erleichtern können. Entscheidend ist dabei, Essen und Trinken nicht allein unter dem Gesichtspunkt der Versorgung zu betrachten, sondern auch Genuss, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.